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Die Wochenzeitung „Die Zeit“ wartet in ihrer neuesten
Ausgabe auf mit der Schlagzeile „Ihr zersägt Eure Enkel –
warum wir Dresdner uns noch immer gegen die
Waldschlösschenbrücke wehren“. Der unter dieser Überschrift
abgedruckte Artikel stammt aus der Feder des Dresdner
Dichters Rosenlöcher und ist zur Lektüre jedermann in
unserer Stadt wärmstens zu empfehlen. Er offenbart wie wohl
bisher kaum ein anderer einen Blick in die Denkweise der
Dresdner Brückengegnerszene.
Es dominieren von Anfang bis Ende der jeder sachlichen
Auseinandersetzung unzugängliche schrille, hysterische
Superlativ. Die Befürworter der Brücke sind nach
Rosenlöcher offenbar keine Menschen: „Freilich, es hat eine
Abstimmung gegeben.“ Aber „Der Dresdner“ sei „auch in
Dresden nicht mehrheitsfähig“. Auch Dresden bestünde vor
allem aus Autos. Und er habe an sich erfahren, daß er nur
in ein Auto steigen müsse, um „wie ein Auto zu denken“.
Soviel zur Achtung der Meinung anderer.
Es juckt den Autor offenbar, auch eine winzig kleine
Korruptionstheorie in die Welt zu setzen. Aber wie, wenn es
dafür keinerlei Anhaltspunkte gibt und man einer
Verleumdungsklage entgehen will? Nun: Man erfindet – in
Anspielung auf die sauerländische Heimat des
Ministerpräsidenten - ein paar „sauerländische Freunde“,
die „noch viel besser wissen“ als er, die Absichten wie die
des Ministerpräsidenten, Gerichtsentscheidungen zu
respektieren und das Resultat des Bürgerentscheides
umzusetzen - „meist weniger Herkunfts- als
Geldhintergründe“ habe. Früher, so fügt er wehmütig hinzu,
habe der Spiegel „dergleichen“ noch „aufzudecken“ gewusst.
Dieser Beitrag gehört in die Annalen. Zur Fünfzigjahrfeier
der Brücke sollte man ihn in die Festbroschüre drucken,
damit die „zersägten Enkel“ in aller Ruhe lesen können,
gegen welches Maß an Intoleranz, Selbstgerechtigkeit,
Alleinvertretungsanspruch, Verachtung der Demokratie und
übersteigerter Hysterie einer Minderheit von
selbsternannten Elitedresdnern die Brücke durchgesetzt
werden musste – und wie es um die Demokratie in unserer
Stadt bestellt wäre, wenn diesen Menschen nachgegeben
worden wäre.
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Artikel aus Die Zeit "Ihr zersägt eure Enkel!"
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