Rede der Oberbürgermeisterin Helma Orosz
33. Sitzung des UNESCO Welterbe-Komitees in Sevilla,
Spanien
25.06.2009
Deutsche Übersetzung
Sehr geehrte Vorsitzende,
sehr geehrte Mitglieder des Komitees,
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich vertrete als Oberbürgermeisterin eine Stadt von
kultureller und historischer Bedeutung, die sich im
Bewusstsein ihrer Verantwortung für die Bewahrung ihrer
Kulturgüter weiterentwickelt. Dazu bitte ich Sie heute um
Ihre Unterstützung. Ich bitte Sie, der Stadt Dresden den
Welterbetitel zu erhalten.
Die Waldschlößchenbrücke ist Teil einer sich entwickelnden
Kulturlandschaft und wird einen unvergleichlichen Blick auf
diese ermöglichen. Und die Waldschlößchenbrücke verbindet
zwei lebendige Stadtteile miteinander.
Die Dresdner Bürger haben sich in einem Bürgerentscheid für
den Bau dieser Brücke entschieden, der vom höchsten Gericht
Deutschlands bestätigt wurde.
Ein neues Urteil des Verwaltungsgerichtes Dresden führt zu
einer bedeutenden Veränderung der Sachlage: das Gericht
stellt fest, dass ein Tunnel keine Alternative ist. Nach
Anhörung von Experten hat das Gericht festgestellt, dass
ein Tunnel mehr als die Brücke in den geschützten Flusslauf
der Elbe eingreife und schwerwiegendere Folgen für die
Tier- und Pflanzenwelt verursache. Die Kläger haben gegen
das Urteil Beschwerde eingelegt. Wir hoffe, dass die
Entscheidung im kommenden Jahr gefällt wird.
Der Beschluss des Komitees in Quebec, den Bau zu stoppen
und alternativ einen Tunnel zu planen, ist somit aus
rechtlichen Gründen nicht möglich.
Damit stehen wir in Dresden vor einer schwierigen
Situation: Wir wollen den Welterbetitel erhalten. Aber wir
können dafür kein Recht brechen.
Das Dresdner Welterbe ist eine Kulturlandschaft, die auf 32
Quadratkilometern eine unvergleichliche Altstadt und eine
Harmonie zwischen Baukunst und Natur präsentiert. Eine
Kulturlandschaft, die sich in 800 Jahren entwickelt hat und
von den Dresdnerinnen und Dresdnern so gestaltet wurde,
dass sie von Ihnen als welterbewürdig bewertet wurde.
Eine Brücke ist mehr als ein technisches Bauwerk. Und das
Welterbegebiet in Dresden ist mehr als die Baustelle einer
Brücke.
Das Welterbegebiet ist Ausdruck der Liebe der Dresdner
Bürger für ihre Stadt.
Daher bitte ich Sie im Namen aller Dresdnerinnen und
Dresdner: Betrachten Sie das Welterbegebiet in Dresden als
Ganzes.
Lassen Sie die neue Rechtslage in Ihre Entscheidung
einfließen. Geben Sie uns Zeit und helfen Sie uns gemeinsam
einen Konsens herbeizuführen. Dresden ist in der Lage und
bereit beides miteinander zu vereinbaren. |