UNESCO akzeptiert umstrittene Mittelrheinbrücke bei
Loreley
Zastrow: „Aberkennung des Welterbetitels für das
Dresdner Elbtal war reine Willkür. – Die UNESCO hat aus
ihrem Debakel im Fall Dresden offenbar gelernt.“
31.07.2010
Das UNESCO-Welterbe-Komitee soll nach Angaben der
rheinland-pfälzischen Landesregierung auf seiner 34.
Sitzung in dieser Woche grünes Licht für den Bau der
umstrittenen Mittelrheinbrücke bei Loreley gegeben haben.
Die 21 Mitglieder des Komitees tagen noch bis zum 3. August
in Brasilia. Vor gut einem Jahr war Dresden in einem
vergleichbaren Fall wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke
noch der Welterbetitel aberkannt worden.
Dazu erklärt der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Dresdner
Stadtrat, Holger Zastrow:
„Wer sich die Bilder der geplanten Mittelrheinbrücke
anschaut und mit der Waldschlößchenbrücke vergleicht, kommt
unweigerlich zu dem Ergebnis, dass die Entscheidung der
UNESCO zur Aberkennung des Dresdner Welterbetitels im Jahr
2009 ein reiner Akt der Willkür war. Entweder wird hier mit
zweierlei Maß gemessen oder die UNESCO hat aus ihrem
Debakel im Fall Dresden tatsächlich gelernt.
Auch Dresden hatte den Anspruch und ein Recht darauf,
„Landschafts- und Denkmalschutz mit moderner Nutzung zu
vereinbaren“ und den Titel seinerzeit für „eine sich
entwickelnde Kulturlandschaft“ erhalten. Dass man jetzt im
Fall der Mittelrheinbrücke ganz anders entschieden hat, ist
schon deshalb bemerkenswert, weil der UNESCO im Fall der
Dresdner Waldschlößchenbrücke ja sämtliche Pläne zum Bau
der Brücke vor der Titelverleihung bekannt waren. Die
UNESCO selbst hatte die Waldschlößchenbrücke im
ICOMOS-Gutachten von 2003 noch als „schlank ausgebildet und
liegt tief, um die massive Wirkung in der Landschaft zu
reduzieren“ beschrieben. Umso unverständlicher bleibt bis
heute die später erfolgte, plötzliche Kehrtwende der
UNESCO.
Dass die Entscheidung der UNESCO trotzdem keine
Auswirkungen auf die Dresdner Tourismusbranche hat, zeigen
die aktuellen Besucherzahlen. Trotz Titelverlust und
schwieriger Wirtschaftslage gab es im letzten Jahr sogar
einen spürbaren Anstieg. Die düsteren Prognosen der
Brückengegner sind damit endgültig widerlegt. Nach
Fertigstellung der Brücke wird überhaupt niemand mehr die
ganze Aufregung der letzten Jahre verstehen und ich bin
froh, dass Dresden hier Stärke und Selbstbewusstsein
gezeigt hat. Wir bleiben „Weltkulturerbe der Herzen“!
Ärgerlich ist allerdings, dass Dresden aufgrund der
jahrelangen Bauverzögerungen durch die Brückengegner
erhebliche Mehrkosten hinnehmen muss. Geld, das wir für die
Sanierung von Schulen und Kindertagestätten viel dringender
bräuchten.“ |