UNESCO gibt grünes Licht für Mittelrheinbrücke
30.07.2010
Die UNESCO hat bei ihrer Konferenz in Brasilien den Plänen
der rheinland-pfälzischen Landesregierung für den Bau einer
Brücke im Mittelrheintal zugestimmt.
Der Welterbebeauftragte, Kulturstaatssekretär Walter
Schumacher, informierte gestern Abend den
rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck
telefonisch an dessen Urlaubsort in Cochem über das
Ergebnis der Konferenz. Schumacher hatte sich nach
zahlreichen Einzelgesprächen mit Konferenzteilnehmern in
einer engagierten Rede im Plenum der Konferenz für das
Vorhaben am Mittelrhein geworben. Er sagte unter anderem,
das Land wolle das Kulturerbe im Sinne der Menschen
weiterentwickeln. Dazu gehöre auch die Brücke.
Ministerpräsident Kurt Beck zeigte sich in einer ersten
Stellungnahme hochzufrieden: "Das behutsame Vorgehen der
Landesregierung hat sich gelohnt.“
Welterbekomitee macht Weg für Mittelrheinbrücke frei
Die UNESCO hat grünes Licht gegeben. Das Welterbekomitee
hat auf seiner 34. Sitzung in Brasilia beschlossen, dass
Rheinland-Pfalz mit der Planung einer Mittelrheinbrücke
beginnen darf. "Durch diesen Beschluss wurde die noch
ausstehende und wesentliche Frage der
Welterbeverträglichkeit zur Fortführung der weiteren
Planungsschritte beantwortet“, teilten der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und
Verkehrsminister Hendrik Hering heute in Mainz mit. Mit
diesen Aussagen der UNESCO kann nun ein
Raumordnungsverfahren vorbereitet und durchgeführt werden.
Als nächste Arbeitsschritte sind dann die Erstellung einer
Detailplanung und die Durchführung eines
Planfeststellungsverfahrens zur Erlangung des Baurechts
vorgesehen: "Der Weg für den Bau einer Mittelrheinbrücke
ist damit frei“, so Beck und Hering.
Das Welterbekomitee teilt demnach die Auffassung der
Landesregierung, dass die Brücke am geplanten Standort bei
Fellen/Wellmich visuell akzeptabel ist und damit dem
außergewöhnlichen universellen Wert der Welterbestätte
entspricht. Auch aus der Sicht des UNESCO-Gremiums ist die
Brücke die ökonomisch sinnvollste Alternative. Ausdrücklich
lobte das Welterbezentrum in der Debatte den "vorbildlichen
Abstimmungsprozess, den das Land mit dem Welterbezentrum
vorgenommen hat".
"Das Welterbekomitee eröffnet damit einer der bedeutendsten
Kulturlandschaften Deutschlands eine eindeutige und moderne
Entwicklungsperspektive", so Beck und Hering. "Gleichzeitig
räumt es mit vielen Vorurteilen auf, die die Diskussion in
Deutschland in den vergangenen Jahren bestimmt haben. Die
Brücke ist welterbeverträglich." Durch den Beschluss werde
gleichzeitig verdeutlicht, dass der Bau einer Brücke nur
ein Baustein in einem Gesamtentwicklungskonzept für die
Welterbestätte sein kann.
Der Entscheidung des Welterbekomitees waren zahlreiche
Schritte der beteiligten Ministerien für Wirtschaft,
Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau und Bildung,
Wissenschaft, Jugend und Kultur vorausgegangen, um die
Argumentation der beteiligten Kommunen und des Landes für
eine Brücke zu untermauern. Hierbei wurde, so Beck und
Hering, immer Kontakt zum Welterbesekretariat gehalten.
Der Beschluss ist aus der Sicht der Landesregierung
gleichzeitig eine Bestätigung eines modernen Verständnisses
von der Erhaltung sich ständig fortentwickelnder
Kulturlandschaften. "In dem Konflikt um die Brücke ging es
auch um unterschiedliche Auffassungen über den richtigen
Weg im Umgang mit großflächigen Kulturlandschaften. Wir
haben immer dafür plädiert, keine 'Käseglocke’ über das Tal
zu legen, sondern Landschafts- und Denkmalschutz mit
moderner Nutzung zu vereinbaren. Nur eine Landschaft, in
der die Bewahrung des Umfeldes und die Erhaltung moderner
Lebensbedingungen miteinander verknüpft werden kann, wird
langfristig überleben“, so die beiden Politiker,
Das Land greift in Abstimmung mit dem Welterbekomitee zudem
den Vorschlag des Gutachters auf, einen Masterplan für das
Obere Mittelrheintal zu erarbeiten, der die bisherigen
Initiativen aufgreift und zu einer Vision für die mittel-
und langfristige Entwicklung der Welterbestätte
weiterentwickelt. "Uns ist es wichtig, dem Welterbekomitee
zu zeigen, dass für uns die Pflege und Weiterentwicklung
der Welterbestätte Oberes Mittelrheintal ein zentrales
Projekt ist." |