Offener Brief an Günter Grass, Durs Grünbein, Christoph
Hein, Rolf Hoppe, Prof. Klaus
Staeck, Martin Walser und Wim Wenders
Sehr geehrte Damen und Herren der Medien!
Am 3. Juni 2008 schrieb eine Gruppe von namhaften
Schriftstellern, bis auf eine Ausnahme alles Nichtdresdner,
einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin folgenden
Inhaltes:
Bundeskanzleramt
Bundeskanzlerin Angela Merkel
Willy-Brandt-Str.1
10557 Berlin
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
wir wenden uns in Sorge um den Ruf der Kulturnation
Deutschland an Sie. Dieser Ruf würde nachhaltig beschädigt,
entzöge die Unesco der Stadt Dresden wegen der geplanten
Waldschlößchenbrücke den Titel ?Welterbe".
Dieses Szenario scheint angesichts der starren Haltung
sächsischer Politiker immer wahrscheinlicher. Aber der
Dresdner Brückenbau ist eben keine regionale Angelegenheit,
sondern betrifft ganz Deutschland. Denn der Name unseres
Landes wird in der Welt auch mit herausragenden Leistungen
in Kunst und Kultur verbunden. Wir befürchten, dass der
bisher nicht gestoppte Frevel an einem einzigartigen
Kulturerbe wie dem des Dresdner Elbtals vieles von diesem
Ansehen zunichte macht.
Wir bitten Sie deshalb inständig, alles zu tun, um
irreparablen Schaden am einmaligen Dresdner Erbe, am Ruf
unseres Landes als Kulturnation und an der Verlässlichkeit
Deutschlands in Völkerrechtsfragen zu verhindern.
Unterzeichner:
Günter Grass, Schriftsteller
Durs Grünbein, Schriftsteller
Christoph Hein, Schriftsteller
Rolf Hoppe, Schauspieler
Prof. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste
Berlin
Martin Walser, Schriftsteller
Wim Wenders, Regisseur
Dies können und wollen die Dresdner Bürger, die sich in
einem Bürgerentscheid im Jahre 2005 mehrheitlich für die
Brücke entschieden haben, so nicht stehen lassen, weshalb
sich die Teilnehmer des 14-tägig stattfindenden
"Brückenpicknicks" vom 14. Juni 2008 ihrerseits mit einem
offenen Brief an die Öffentlichkeit in Deutschland wenden.
Sehr geehrte Damen und Herren, bitte helfen Sie mit, die
Berichterstattung über dieses wichtigste und größte
Dresdner Bauvorhaben (bis jetzt sind bereits über 35
Millionen Euro in Planung und Bau geflossen) zu
objektivieren, indem Sie diesen Brief (siehe Anlage) der
Öffentlichkeit bekannt machen.
Es kann nicht sein, dass das Damoklesschwert des
Welterbetitels einigen wenigen helfen soll, ihre privaten
Interessen vor das Gemeinwohl zu stellen.
Auch ohne den Welterbetitel haben die Dresdner in der
Vergangenheit immer zum Wohle ihrer Stadt gehandelt und wir
sind fest überzeugt, dass auch die Unesco, die den Titel in
Kenntnis der Brückenbaupläne vergeben hat, keine voreiligen
Entscheidungen gegen die Interessen der Bevölkerung treffen
wird.
Mit freundlichen Grüßen
U. Aloé
Dresden
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