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Willkür mit dem Welterbe

Die Badische Zeitung kommentiert in Ihrer Ausgabe vom 9.7.2008 die Arbeit der UNESCO. "Mal ist die Unesco zaghaft, mal rigoros. Die Suche nach dem Sinn ist oft vergebens."

Von Alexander Dick

"Virtuelle Weltenbummler haben es am einfachsten. Als Nutzer von „Google Earth“ können sie die mehr als 850 Welterbestätten auf dem Globus bequem an einem Tag aufsuchen und sich dank einer Zusatzdatei der Unesco auch noch die nötigen Informationen über die einzelnen Orte in ihrer gerade wieder gewachsenen Zahl zu Gemüte führen. Schön, wenn die Kulturorganisation der Vereinten Nationen immer mehr Schützenswertes an Kultur und Natur dieses Planeten findet. Und da immerhin 184 Staaten das diesbezügliche internationale Übereinkommen unterzeichnet haben, könnte man meinen, die Völkergemeinschaft sei auf einem guten Weg. Zumindest in dieser Hinsicht.
Die Frage, welcher Nutzen sich mit diesen Auszeichnungen verbindet, ist freilich damit längst nicht beantwortet. Und auch nicht die nach den Kriterien: Was es wann und warum zu schützen gilt, und auch noch wie?

Natürlich hat das World Heritage Committee der Unesco ausformulierte Kriterien – zehn an der Zahl, von denen mindestens eines erfüllt sein muss. Und natürlich kann im Umkehrschluss nicht jedes Bauwerk oder jede Landschaft, die diesem Katalog gerecht wird, den Welterbestatus für sich beanspruchen. Doch gerade an diesem Widerspruch wird deutlich, wo die Schwierigkeiten liegen: in
menschlicher Willkür. Beobachter der derzeitigen Sitzung des Welterbe-Komitees in Québec werfen diesem Inkonsequenz und Fadenscheinigkeit, ja selbst Schlampigkeit bei seinen Entscheidungen vor. In der Tat fällt ein Verstehen selbst den besser Informierten oft nicht leicht, geschweige denn dem Laien. Weshalb etwa die barocken Festungsanlagen des französischen Architekten Vauban, die soeben das begehrte Gütesiegel erhalten haben, nun in einem Atemzug genannt werden dürfen mit den Pyramiden, der Stadt Venedig oder dem historischen Zentrum von Rom?

Vollends verwirrend wird es im Fall der sogenannten Roten Liste, also jenes Katalogs, in dem das Komitee „akut gefährdete Welterbestätten“ auflistet, denen die Aberkennung des Status’ droht. Beispiel Dresdener Elbtal. Hier hat die Organisation ein letztes Ultimatum gesetzt. Sollte die umstrittene Waldschlösschenbrücke gebaut werden und nicht ein Tunnel, wie von der Unesco-Organisation postuliert, werde der Titel unwiderruflich aberkannt. Dass 2004, als das Tal
Weltkulturerbe wurde, der Unesco und ihren Gutachtern das Brückenbauvorhaben bereits bekannt war, diese sich aber offensichtlich nicht daran stießen, wird in der hitzig geführten Diskussion allzu oft verschwiegen. Vollends absurd wird der Fall Dresden, wenn man ihm den aus Rheinland-Pfalz entgegenstellt. Auch das Loreley-Tal am oberen Mittelrhein bedarf einer neuen Rheinquerung, auch
hier diskutiert man emsig über eine Brücken- oder Tunnellösung. Hier indes hat sich das Unesco-Welterbekomitee überraschend nicht auf die eine oder andere Lösung festgelegt und fordert stattdessen zunächst eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die verschiedenen Varianten. Auf der einen Seite Absolutheitsanspruch, auf der anderen Seite Unentschlossenheit – wie geht das zusammen?

Die Antwort lautet leider: gar nicht. Je größer die Zahl der von der Unesco für schützenswert befundenen Stätten wird, desto unübersichtlicher die Kriterien. Gleichwohl bereitet eine gewisse Selbstherrlichkeit der Organisation Unbehagen. Was eigentlich rechtfertigt den Alleinvertretungsanspruch des Welterbekomitees? Wo sind die Kontrollinstanzen? Wo die Transparenz bei den Entscheidungen? Gerade in Québec ist die ganze Palette dieser Widersprüchlichkeiten deutlich geworden.

Freilich ließe sich eine Debatte darum gelassener führen, wenn man den Wert des Gütesiegels nicht so überhöhte, wie das derzeit der Fall ist. Weltkultur- und Weltnaturerbe – das sind Ehrentitel, die auf Umwegen, nicht direkt, auch viel Geld bringen können. Und mit denen sich natürlich Staat machen lässt. Dem kleinen Neuf-Brisach als Vauban-Weltkulturerbeort wird das neue Gütesiegel sicher nicht schaden. Ob indes Rom, Dresden oder die Pyramiden im Falle eines Verlusts dessen gleich einen Besuchereinbruch erleiden würden? Die Kardinalsfrage lautet deshalb: Muss das Bewusstsein für Schützenswertes wirklich von einem Komitee „verwaltet“ werden, das sich einmal im Jahr trifft und die Welt als Museum betrachtet?"

 

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Unter www.wsb-info.de kann das aktuelle Baugeschehen mittels Webcam beobachtet werden.
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Frank Schreier, Dresden, Ich war von Anfang an ein Befürworter der Waldschlösschenbrücke und freue mich, dass die Demokratie gesiegt hat.

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Ute Herzer, Dresden, Brücken gehören in eine Stadt. Ich freue mich schon jetzt auf den wunderbaren Blick von der Brückenmitte aus auf die DD-Silhouette.

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Jörg Reutler, Dresden-Johannstadt, Da sind also die grün/roten Brückenverhinderer mal wieder vor Gericht mit ihren hanebüchnen "Argumenten" gescheitert - gut so.

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U. Aloé, Dresden, Haben sich die Grünen eigentlich schon mal mit dem Wasserbau an und in der Elbe beschäftigt?

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Steffi Walser, Rottenburg, Liebe Brückenbauer, auch im Süden Deutschlands verfolgen wir das heimatliche Geschehen weiter und hoffen sehr, dass die Brücke bald steht.

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