Der Brückenbau selbst steht nicht zur Disposition
Wortmeldung zum Beitrag „Das neue Brückenmännchen
erlebte die Proteste vom Wochenende“ im „Sächsischen Boten“
(KW 50).
Liebes Brückenmännchen, auf den Punkt gebracht stellen wir
unserer Antwort auf Deinen Beitrag vom 12.12.2007 ein Zitat
voran: „Der Worte sind genug gewechselt, lasst uns Taten
seh'n!“ Genau das ist durch den Baubeginn am
Waldschlösschen nun auch passiert. Warum also sollen wir
Lärm machen? Zwei Drittel der Dresdner Bürgerschaft haben
beim Bürgerentscheid 2005 der Politik einen eindeutigen
Auftrag erteilt: Setzt der unendlichen Diskussion ein Ende
und baut diese bereits planfestgestellte
Waldschlösschenbrücke. Weil Dresden dringend eine
Entlastung des innerstädtischen Verkehrs und eine direkte
Verbindung des Dresdner Nordens zum UNI-Klinikum braucht.
Und, weil Hochwasser und Straßenbaumaßnahmen uns immer
wieder die eingeschränkte Belastbarkeit des Blauen Wunders
vor Augen führen. Eine andere als die damals gestellte
Frage – etwa, ob ein Tunnel oder eine Brücke zu bauen ist –
wäre zu dem Zeitpunkt rechtlich gar nicht zulässig gewesen.
Schließlich hatte der Stadtrat im Jahr 1996 nach langem
Abwägen beschlossen, am Waldschlösschen keinen Tunnel,
sondern eine Brücke zu bauen. Dieser Beschluss ist noch
heute gültig. Dem Bürgerentscheid vorausgegangen waren
Monate mit unzähligen Diskussionen, Demos und
Veranstaltungen.
Wo blieben damals die Argumente zur kleinen Hufeisennase,
zum Erhalt der Bäume oder zu einer etwaigen
Unverträglichkeit mit dem Weltkulturerbe? Beide Seiten
hatten über das Abstimmungsbüchlein Gelegenheit, sachlich
die Fakten für oder gegen den Brückenbau an den Wähler zu
bringen. Und jeder, der es wollte, konnte sich auf dieser
Basis eine Meinung bilden. Mit einem so klaren Bürgervotum
pro Brücke hatten die Brückengegner wohl nicht gerechnet.
Deshalb war ihnen anschließend jedes Mittel recht, den
Baubeginn zu verhindern. Zur Erinnerung: Das Elbtal hat mit
der jetzt „umstrittenen“ Brücke in 2004 – also ein Jahr vor
dem Bürgerentscheid - den UNESCO-Welterbetitel erhalten.
Erst nach Intervention der Brückengegner bei der UNESCO ist
dieser Titel seit 2006 – also ein Jahr nach dem
Bürgerentscheid – gefährdet. Ein mieser Trick, um den
Rechtsstaat auszuhebeln. Bewusst hat man damit in Kauf
genommen, dass das Ansehen unserer Stadt inzwischen
weltweit der Lächerlichkeit preisgegeben ist. Spektakuläre
Baumbesetzungen, als Kunstwerk deklarierte Hasstiraden und
mit reichlich auswärtiger Prominenz geschmückte
Veranstaltungen vermitteln ein falsches Meinungsbild der
Dresdner Bürgerschaft. Dass unter Menschen guten Willens
Kompromisse möglich sind, ohne den durch Bürgerentscheid
und Planfeststellungsbeschluss vorgegebenen rechtlichen
Rahmen sowie den Zeitplan des Brückenbaus zu gefährden, das
zeigen die ins Gespräch gebrachten baulichen Anpassungen,
die eine noch bessere Verträglichkeit der Brücke mit ihrer
Umwelt zum Ziel haben. Was im Rahmen des Rechts getan
werden kann, soll geschehen, um die Anerkennung durch die
UNESCO zu erhalten. Der Brückenbau selbst steht nicht zur
Disposition.
Basierend auf höchstrichterlichen Urteilen ist seine
Rechtmäßigkeit gegeben. Wogegen oder wofür könnten
Brückenbefürworter also demonstrieren?
Nikolaus Köhler-Totzki Vorsitzender des ADAC Sachsen für
die Bürgerinitiative Pro Waldschlößchenbrücke
aus dem
Sächsischen Boten vom 27.12.2007 |