Das neue Brückenmännchen war im Stadtrat dabei
„Kein Streit würde lange dauern, wenn das Recht oder das
Unrecht nicht auf beiden Seiten wäre“, sagte der
französische Aphoristiker François VI. Duc de La
Rochefoucauld vor 350 Jahren.
Dieser Satz fiel mir ein, als ich in der Vorweihnachtswoche
die wiederholte Diskussion über die Brücke im Stadtrat
verfolgte. Diesmal ging es um die 300 Jahre alte Buche, die
für einen Straßenzug gefällt werden muß. Rainer Kempe
(Linksfraktion) vertrat die Meinung, die Straße könne
minimal geschwenkt werden und alles wird gut.
Baubürgermeister Herbert Feßenmayr weiß es aber
komplizierter. Ein neues Planfeststellungsverfahren wäre
nötig und andere Grundstückseigentümer wären dann
betroffen. Das bringe nur neuen Streit. (Ob Russlands
Präsident Wladimir Putin davon weiß? Schließlich befand
sich in dieser Angelikastraße mehrere Jahre sein
KGB-Arbeitsdomizil.) Die Umweltaktivisten von Robin Wood
haben sich darauf eingerichtet, über Weihnachten die Buche
besetzt zu halten. Zu Hause wäre es doch gemütlicher, denn
die Richter haben bekanntlich entschieden, dass die
Baumfällarbeiten rechtens sind. Übrigens hat mir ein Leser
geschrieben, dass alle Gerichtsentscheidungen zum Bau der
geplanten Brücke Fehlurteile seien. Da fühlen sich doch
manche wirklich als rechte Hand von dem Herrn, dessen
Geburt wir Heiligabend gefeiert haben! Alles besser zu
wissen, als die höchsten Richter unseres Rechtsstaates,
könnte doch nur er? Eberhard Burger,
Ex-Frauenkirchenbaudirektor, hat sich mit dem
Versöhnungsgeist von Dresdens großem Barockschatz zu Wort
gemeldet. Er sieht bauliche Veränderungsmöglichkeiten im
Rahmen der bisherigen Planfeststellung und hat der Unesco
in Paris vorgeschlagen, mit diesen Vorschlägen bei einem
Ortstermin in Dresden die Sache mit dem Welterbe noch
einmal zu prüfen. Eine Antwort aus Paris liegt noch nicht
vor, aber vielleicht wollen die Herrschaften auch erst
einmal in Ruhe Weihnachten und das neue Jahr feiern, um
dann im Sinne von Duc de La Rochefoucauld in Dresden zu
sagen: „Alles wird gut!“ (Mehr zum Thema Brückendiskussion
heute auch auf Seite 10, wo die Bürgerinitiative Pro
Waldschlößchenbrücke u.a. an die vergessenen oder
verdrängten Anfänge des Brückenstreites erinnert.)
aus dem
Sächsischen Boten vom 27.12.2007 |